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Monika K. aus Rhein-Kreis-Neuss schrieb am 17. Februar 2019 um 23:39
Liebe Mary, glaub mir, bis Donnerstagnachmittag habe ich mich für halbwegs normal oder auch normal verrückt gehalten. Als ich dann am frühen Abend im SWR-Videotext und dann zwecks Verifizierung deinen facebook-post las, anschließend in eine Art Schockstarre fiel, mich über das eigene Überraschtsein wunderte und dann fast so traurig wurde, als würde mich gerade jemand verlassen, da habe ich mich zwischen Herzschmerz und Beleidigtsein schon gefragt, ob ich nicht alle Tassen im Schrank habe. Jetzt mal ehrlich, wie kann eine Künstlerin in den allerbesten Jahren, die man kaum kennt, die einen selbst noch weniger kennt, solch ein Gefühlschaos anrichten, nur weil sie ihr musikalisches Karriereende ankündigt? Ich mein, du hast ja nicht gesagt, dass du nächste Woche in die Grube springen willst. Aber als ich die ersten Kommentare las kamen mir die schon wie Nachrufe vor. Und als im Fernsehen eine Vorschau auf irgendeine Musiksendung lief, da dachte ich, dass ich mir so was nicht mehr anschauen kann. Denn die Vorstellung, dass man dich in solchen Sendungen zukünftig nicht mehr sehen und hören wird, erschien mir fast unerträglich. Doch, doch, ich bin normal und schließlich auch schon einige Jahrzehnte in dieser Welt. Ich bin aber durchaus in einer Ecke meines Herzens leicht angeschlagen. Nur gut, dass es die liebe Gerda gibt, die Telefonseelsorge mit Herzmassage verbinden kann. Kurzum, ich habe mich etwas beruhigt. / Liebe Mary, all die Jahre und jetzt hörst und liest du von vielen Menschen, dass sie deine Lieder gerne hören und dass sie von deiner Stimme und von dir als Person einfach begeistert sind. Das wird auch in Zukunft so sein, denn da ist was Zeitloses in allem. Und toll, dass du dich noch laaange selbst davon wirst überzeugen können und nicht erst dein Sohn, der, so ganz ohne dich, tröstende Nachruf-Statements wahrnehmen muss. Diese warmherzige Welle wird dich hoffentlich immer tragen, egal wohin. / Es wäre vermutlich zu viel verlangt gewesen, wenn dir damals die Wahrsagerin, die dir den Erfolg im Alter prophezeit hat, auch hätte sagen können, wann der beste Zeitpunkt für ein selbstbestimmtes musikalisches Karriereende ist. Das muss wohl jeder Künstler für sich selbst herausfinden. In deinem Fall kann ich nur sagen: Perfektes Timing, Mary! Mein kleines Herz wundet und windet sich zwar noch und sucht nach egoistischen Gründen, deinen Entschluss zu boykottieren, aber im Grunde genommen ist es sich mit dem keineswegs kühlen Kopf sehr einig. Einen besseren Zeitpunkt hättest du nicht finden können, soweit ich das überhaupt beurteilen kann. Dafür kann man dir nur Respekt zollen und dich bewundern, dafür, dass du es nicht ausreizt mit dem Ruhm und dich nicht an das klammerst, was dir so lange vertraut war und trotz Anstrengung immer funktioniert hat. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich dazu dir zu danken. Danke Mary, für die kostenlose Lehrstunde in Sachen Loslassen. / Nun kannst du die Musikkünstlerin ‚Mary Roos‘ in die gepflegte und nicht verschließbare Kommodenschublade ablegen. Und vielleicht öffnet sich dann doch in nicht allzu ferner Zukunft eine andere gut geölte Schublade und die kleine ‚Rosemarie‘ krabbelt unter einer bunten Decke hervor und ruft, dass sie jetzt endlich ‚Theaterin‘ sein will. Und glaub mir, ich könnte mich dazu verleiten lassen, ein Abo zu kaufen. Mit deinem Rentenbescheid hast du mich ja jetzt auch schon dazu gebracht, dass ich mir doch noch einmal die N-K-Erdbeershow ansehen werde, und zwar die letzte am 08. September. Nachdem ich dann schon zuvor in zwei Konzerten feuchte Augen gehabt haben werde, heule ich dann vermutlich erst recht. Alles nur wegen einer abenteuerlichen, unvernünftigen und schrillen Alten! So verrückt es klingt, ich glaube, es ist normal 🙂 Lieben Gruß, Monika
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