Mehr als eine Zugabe
Mary Roos veröffentlicht ihr Album „Abenteuer Unvernunft“
Als Mary Roos vor Jahresfrist ihr Album „Ab jetzt nur noch Zugaben“ vorlegte verabschiedete sie sich damit von ihrer Plattenfirma und unterschrieb einen Vertrag mit der Electrola. Ihre zahlreichen Fans befürchteten, dass könne das Ende ihrer einzigartigen Laufbahn sein – weit gefehlt! In Rekordzeit entstand nun die Produktion „Abenteuer Unvernunft“. Zehn neue Songs gesellen sich zu fünf Klassikern, die neu arrangiert wurden. Ein Procedere, das sich schon bei einigen ihrer Sangeskollegen ausgezahlt hat.
Die Promotion läuft auf Hochtouren: Fernsehwerbung, Radio- und TV-Einsätze ohne Ende, endlich ab Herbst eine eigene große Deutschlandtournee und letztlich der Einzug in die Verkaufscharts sind hohe Auszeichnungen die Mary Roos nach einer sechzigjährigen Karriere endlich widerfahren. Sie mag ja fünfundzwanzig Jahre bei der Plattenfirma DA gut aufgehoben gewesen sein. Die Werbung für ihre Musik lief aber immer schleppend.
Von den neuen Liedern fällt besonders der Mark-Forster-Song „Bauch und Kopf“ angenehm aus dem Rahmen. Es scheint als sei das Lied seinerzeit für sie geschrieben worden zu sein. Selbst der Originalinterpret war hingerissen von Marys Interpretation. Auch ihr bewährter Komponist und Produzent kommt auf diesem Album wieder zum Einsatz. Das Lied „Steinalte Kinder“ ist ganz großes Kino, zu dem Max Lessmann einen überaus authentischen Text beisteuert. Schlagerfreunden wird besonders die flotte Nummer „Sekretärin Rita“ gefallen, in deren Worten sich viele Frauen wiedererkennen werden. Die gesamte Produktion ist ein guter Mix aus großen Balladen und flotten Rhythmen. Es ist erstaunlich wie klar und stark die Stimme der Künstlerin ist. Sie ist einfach ein Vollprofi, der weiß welche Nuancen ihr Potenzial hergibt.
Die neuarrangierten Titel wie „Aufrecht geh’n“ und „Nur die Liebe lässt uns leben“ sind in den Originalversionen stärker und präsenter. Auf diesem Album klingen sie zu weichgespült. Die Ausnahme bildet „Einmal um die Welt“, ein Partyschlager, der hier sehr viel mehr Power und Kraft hat als in der Version von 1999. Auch „Arizona Man“ wird in der neuen und leider gekürzten Version unsterblich. „Danke ans Leben“ klingt nachdenklich und wirkt hier wie ein Resümee der Künstlerin.
Es ist ausschließlich der hohen Professionalität von Mary Roos zu verdanken, dass sie nach starken Produktionen wie „Woraus meine Lieder sind“ (1972) und „Denk, was du willst“ (2013) auf eine so lange Karriere zurückblicken kann und es versteht sich immer noch zu steigern.



