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Geboren wird Mary Roos am 9. Januar 1949 in Bingen am Rhein. Ihre Eltern führen ein Hotel, in dem die kleine Rosemarie Schwab – so geht die Legende – beim Fünf-Uhr-Tee gelegentlich ihre ersten kurzen Amateurauftritte hat und im Alter von 9 Jahren schließlich die Aufmerksamkeit eines Plattenproduzenten auf sich lenkt.

So darf Rosemarie dann 1958 trotz eigentlich viel zu großer Zahnlücken ihre ersten Singles aufnehmen: ‚Ja die Dicken sind ja so gemütlich‘ und ‚Little Teenager Song‘   *. In den nächsten Jahren folgen unzählige Plattenveröffentlichungen, die sich heute kaum noch komplett erfassen lassen, sowie verschiedene Filmrollen jenseits des Schlagergenres. Der große Erfolg stellt sich zunächst nicht ein, aber Mary Roos, wie Rosemarie seit den frühen 60ern genannt wird, genießt genügend Anerkennung um sich in Anlehnung an die berühmte Caterina Valente den Beinamen ‚Die Valente vom Mäuseturm‘ zu verdienen.

Erstmals internationale Beachtung findet Mary 1963 bei einem Nachwuchswettbewerb im belgischen Seebad Knokke, bei dem sie den 2. Platz belegt. Drei Jahre danach hat sie ihren ersten Auftritt bei den deutschen Schlagerfestspielen in Baden-Baden und erhält glänzende Kritiken. Mit ‚Wie der Wind‘ schafft Mary Roos es, sich gegen die arrivierte Konkurrenz mit einem sechsten Platz zu behaupten. Zu dieser Zeit veröffentlicht Mary gemeinsam mit dem Dresdner Mozart-Chor auch ihrer erstes Album ‚Die kleine Stadt will schlafen geh’n‘ . 1968 tritt sie erneut bei den Schlagerfestspielen an. Ihr Beitrag ‚Die Welt von morgen‘ entstammt ihrer bis heute einzigen Zusammenarbeit mit Ralph Siegel.

Alles in allem ist Mary Roos zwar in den 60er-Jahren kontinuierlich auf Festivals und in den Medien präsent, das aber tendenziell als B-Sängerin. Sie ist durchaus bekannt, bislang jedoch eher mäßig erfolgreich. Obwohl Toningenieure, Autoren, Produzenten und Kritiker über alle Maßen von Marys Talent überzeugt sind, lässt der große Durchbruch auf sich warten. Doch am Ende des Jahrzehnts leitet ein privates Ereignis einen beruflichen Wandel ein: Mary Roos heiratet den Franzosen Pierre Scardin, der in den nächsten Jahren erfolgreich als ihr Manager tätig ist.
Bei ihrer ersten Teilnahme an einer deutschen Grand Pri-Vorausscheidung mit dem Titel ‚Bei jedem Kuss‘ kommt Mary Roos 1970 zwar in die Endrunde, muss sich aber letztlich von Katja Ebstein geschlagen geben. Auch tritt sie hier noch als Sternchen und nicht als Star auf, was sich aber schon wenige Wochen später ändern soll: Giorgio Moroder produziert mit Mary ‚Arizona Man‘ . Der Song ist eine kleine Sensation, da zum allerersten Mal bei einer Musikproduktion Synthesizer eingesetzt werden. Und der Titel hält sich 22 Wochen in den Verkaufs-Charts und dringt dort bis auf Platz 2 vor.

Nun endlich beginnt Mary Roos‘ Aufstieg in die vordere Liga: Das zu dieser Zeit größte internationale Label CBS nimmt sie unter Vertrag. Unter der Regie von Michael Holm nimmt sie 1970 ihr erstes ‚echtes‘ Solo-Album – mit Songs wie ‚Blauer Montag‘ und ‚So leb dein Leben‘ – auf und verleitet damit Marc Gordon, Manager der Fifth Dimension, zu der begeisterten Aussage ‚Die würde ja auch in Amerika groß rauskommen!‘ Mary wird in diesem Jahr zur zweitbeliebtesten deutschsprachigen Sängerin nach Mireille Mathieu gekürt, ist deutscher Gast bei der Unicef-Gala in Osaka, wo sie neben Sacha Diestel, Peter Ustinov, Marlon Brando und anderen Weltstars auf der Bühne steht und erhält 1971 mit ‚Marys Music‘ eine eigene, regelmäßige Personalityshow im deutschen Fernsehen.
Fast zeitgleich beginnt Mary Roos‘ Karriere in Frankreich. Zunächst spielt sie an der Seite von Michel Fugain die weibliche Hauptrolle in dem Musical ‚Un enfant dans la ville‘ (‚Dépêche-toi‘ ), das 1971 vom französischen Fernsehen und der BBC verfilmt wird.

1972 betritt Mary Roos mit ‚Nur die Liebe lässt uns leben‘ die internationale Bühne beim Grand Pri Eurovision. Obwohl Mary mit ihrem Beitrag als erste Teilnehmerin an den Start gehen muss, erreicht sie einen hervorragenden dritten Platz und das bis dahin beste Endergebnis für Deutschland. Mary, die eigentlich kaum an den Erfolg ihres Liedes glauben mag (Jan Feddersen: ‚Ein konventioneller Schlager, der erst durch die Persönlichkeit der Sängerin zum Juwel werden konnte‘), schreitet in völlig unbekümmerter Manier vor die Kameras, singt ab dem ersten Ton wie entfesselt und bietet den Zuschauern eine nur schwer zu übertreffende Performance. Insgesamt agiert sie derart bravourös, dass sich die Franzosen glücklich schätzen können, Mary zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem eigenen Programm für das Pariser Olympia verpflichtet zu haben. Die sich an den Grand Pri unmittelbar anschließenden Vorstellungen im Olympia sind folgerichtig drei Wochen lang ausverkauft. Mary, der man in Frankreich kaum glauben will dass sie Deutsche ist, nimmt ihr erstes französisches Soloalbum auf – mit Titeln wie ‚L’autoroute‘ und ‚Si tu te rappelles‘ – und begeistert die Fachwelt bei der Midem-Musikmesse in Cannes.

 Als böte ihr das alles nicht genug Entfaltungsmöglichkeiten, nimmt Mary Roos zudem am Songfestival in Rio teil. In Deutschland erscheint der Longplayer ‚Woraus meine Lieder sind‘, der zu großen Teilen aus Coverversionen ihrer französischen LP besteht – so zum Beispiel der Track ‚Morgens um fünf‘ – und wahrscheinlich aus diesem Grund noch heute viel Beachtung findet. Auch in den kommenden Jahren zieht Mary es vor, Chansons und Schlager mit einem gewissen Anspruch zu singen. Sie gehört zu den präsentesten und renommiertesten Interpreten der Siebzigerjahre und zu der kleinen Garde derjenigen, die auch jenseits der ZDF-Hitparade große Beachtung finden.

1973 entsteht das Album ‚Lieber John‘. Anders als 1972 verzichtet man dieses Mal auf eine Übersetzung ihrer französischen LP, sodass Mary die Welt in diesem Jahr mit zwei tatsächlich unterschiedlichen Alben beglücken kann, – was jedoch zur Folge hat, dass ihr in Deutschland ein gelegentlich notwendiger Hit fehlt. Steigen die französischen Singles ‚L’animal en blue-jeans‘ und ‚Viva‘ sogar in die israelischen Hitparaden ein, bietet das deutsche Album zwar teilweise schöne Kompositionen von Autoren wie Peter Maffay oder Les Humphries und durchgängig sehr gute Tete aus der Feder von Michael Kunze – z. B. ‚Ein Freund, mein Freund‘ -, andererseits aber zu wenig Material für die Charts. Nichts desto trotz ist Mary Roos Stargast beim Gala-Abend der Schallplatte auf der Berliner Funkausstellung. Den verspäteten deutschen Erfolg liefert sie 1974 mit dem avantgardistischen ‚Hamburg im Regen‘ nach. Ein Jahr später nimmt Mary zum dritten Mal an einer Grand Pri-Vorausscheidung teil und erreicht mit ‚Eine Liebe ist wie ein Lied‘ den dritten Platz. An Joy Fleming und deren ‚Ein Lied kann eine Brücke sein‘ kommt keiner der prominenten Mitstreiter heran, darunter Katja Ebstein, Séverine, Peter Horton, Marianne Rosenberg, Jürgen Marcus und Peggy March. Die Regenbogenpresse jedoch rätselt in den nächsten Wochen gerne was gewesen wäre, hätte Mary nicht mit hohem Fieber vor der Kamera gestanden.

Überhaupt lebt Mary nach einem Schwächeanfall laut den Printmedien jetzt mitunter allein von Spritzen und Medikamenten. Vielleicht war sie in letzter Zeit tatsächlich ein bisschen zuviel unterwegs und ist des Herumreisens müde geworden. Ihre eigene Situation deckt sich jedenfalls mit den äußeren Umständen: Die Discowelle überrollt die Musikmärkte und Schlager und Chansons werden an den Rand des Interesses gedrängt. Mary Roos und das Label CBS trennen sich. Mary unterzeichnet einen Vertrag bei der Polydor und konzentriert sich fast ausschließlich auf ihre deutsche Karriere, – zumal sie niemals in Erwägung gezogen hatte, dauerhaft in Frankreich zu leben. Später wird sie einmal sagen, dass sie diese Entscheidung manchmal ein bisschen bereut. Andererseits ist die unterschiedliche Entwicklung der französisch- und der deutschsprachigen Musikbranche zu diesem Zeitpunkt kaum abzusehen und so veröffentlicht Mary 1977 letztmalig eine französische Produktion ( ‚Mon coeur tu bats‘ ). Auch Mary Roos‘ Privatleben ändert sich Mitte der 70er: Marys Beziehung zu Werner Böhm entsteht. Sie trennt sich von ihrem Ehemann und Manager Pierre Scardin.

In beruflicher Hinsicht ergreift Mary Roos in den späten 70ern die Flucht nach vorn: Während die meisten ihrer Kollegen und Kolleginnen wahlweise auf den vorbeifahrenden Discozug aufspringen oder in der Versenkung verschwinden, spielt sie unter der Regie von Samy Molcho im Frühjahr 1976 am Stadttheater Münster die Rolle der Magnolia in dem Musical ‚Showboat‘. Daneben produziert sie bis 1978 in schöner Regelmäßigkeit jährlich eine neue LP, z. B. ‚Ich bin Mary‘ mit ‚Ich bin Mary und nicht Jane‘ . Die TV-Show zur 78er-Produktion ‚Maryland‘ – mit Nummern wie ‚Samba d’amour ‚ und ‚Schließ mich ein in deinen Traum‘ – wird trotz oder gerade wegen des fehlenden Discosounds von nicht weniger als 25 Ländern eingekauft. Aber es gibt noch eine andere Fernsehsendung, die gegen Ende der 70er-Jahre eine Auszeichnung in Marys Karriere darstellt: Mary Roos darf für sich verbuchen, dass sie als einzige deutsche Persönlichkeit von der BBC für die legendäre Muppet-Show engagiert wird. Zum Ende des Jahrzehnts wechselt Mary zum Label Hansa und erzielt mit ‚Ich werde geh’n heute Nacht‘ nach langer Zeit endlich wieder einen Hit.

Nach der Disco- kommt Mary Roos in den frühen 80ern zunächst die Neue deutsche Welle ‚ins Gehege‘. Angebote auf dieses Gleis umzusteigen lehnt Mary konsequent ab. Lieber zieht sie sich zurück bis der erste Sturm vorbei ist, verzichtet überwiegend auf große Produktionen und veröffentlicht hin und wieder die eine oder andere Single, wie z. B. ‚Heiß und kalt‘ . Ihre Autorenliste, die sie in diesen Jahren aufstellen kann, umfasst u. a. Roland Kaiser, Michael Kunze, Werner Böhm, Michael Reinecke und Dieter Bohlen.
Zu Beginn der 80er ist es wieder der Grand Pri bei dem Mary verstärkt zur Geltung kommt. 1982 singt sie in München im Duett mit David Hanselmann den von Werner Böhm komponierten Beitrag ‚Lady‘ , mit dem das Duo zu den Kritikerlieblingen gehört. Landen können sie jedoch nur auf dem sechsten Platz und lassen Nicole (‚Mary Roos und David Hanselmann mit Lady waren klasse, ein schönes Lied – aber zu kompliziert für den Grand Pri‘) den deutschen und den internationalen Contest jenes Jahres gewinnen. Die Offerte, ein Jahr später mit ‚Rücksicht‘ erneut in München anzutreten, muss Mary ablehnen.

Das nächste Angebot von Michael Reinecke nimmt Mary Roos 1984 jedoch an und wird mit ‚Aufrecht geh’n‘ bei der deutschen Vorausscheidung vorstellig. Nach 12 Jahren ersingt sie sich in München überlegen ihre zweite Fahrkahrte zum internationalen Songcontest. Alle Hoffnungen ruhen zuversichtlich auf Reineckes und Kunzes Wunschinterpretin, aber das Schicksal will es anders:

Während für Mary 1972 in Berlin galt, dass ‚alles, was ihr Wochen später in Edinburgh gelingen sollte, missriet‘ (Jan Feddersen) – wohl auch ein Zeichen dafür, dass Mary Roos sich seinerzeit nicht auf Anhieb mit ihrem Beitrag anfreunden konnte -, trifft für die Präsentation von ‚Aufrecht geh’n‘ das genaue Gegenteil zu. In München sprüht Mary vor Energie, mit kraftvoller Stimme im selbstbewusst wirkenden Outfit und bietet dem Publikum einen ‚Auftritt von souveräner Reife‘ (Kommentator Peter Urban). Ein gutes Abschneiden im internationalen Vergleich, soweit ist man sich einig, ist der Künstlerin sicher. In Luemburg jedoch singt sie in einem umstrittenen fleischfarbenen Kleid teils abwesend, teils nervös vor sich hin, denn der Tet ihres Liedes ist plötzlich authentischer als geplant: Mary Roos wird vor ihrem Auftritt zugetragen, dass eine andere Frau ein Kind von ihrem Ehemann Werner Böhm erwartet. Zu allem Überfluss erlebt Mary harsche Kritik an ihrer Garderobe und einen völlig verpatzten Orchesterauftakt. Eigentlich bleibt nichts was eine selbstsichere Performance fördern könnte und so landet der Beitrag abgeschlagen auf Platz 13. – Hätte, wäre, wenn, … Heute zählt Mary Roos ‚Aufrecht geh’n‘ zu ihren stärksten und liebsten Aufnahmen.

Kurz nach dem Eurovision Songcontest, gegen Mitte der 80er-Jahre, arbeitet Mary mit Dieter Bohlen zusammen. Er produziert mit ihr insgesamt drei Singles, u. a. ‚Ich bin stark nur mit dir‘ , bei denen es sich sämtlich um deutschsprachige Coverversionen seiner eigenen Kompositionen handelt. Es gelingt Mary jedoch, den Aufnahmen ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, sodass sie mit jeder Single neben den Originalen bestehen kann und zwei Jahre lang quasi Dauergast in den Airplaycharts ist. Aber nach drei Platten wird ihr das Ganze auf längere Sicht wohl doch zu eintönig. Außerdem stellt sich die Geburt von Marys Sohn Julian am 19.09.86 einer weiteren Zusammenarbeit vorerst in den Weg.
Unter Julians Geburt ‚leidet‘ auch der Konzept-Longplayer ‚Leben spür’n‘, den Mary Roos 1987 bei der Teldec veröffentlicht. R. R. Maué schreibt und konzipiert für und zum Teil gemeinsam mit Mary ein durchaus gelungenes Album, dessen Tracks 2001 von einem Plattenlabel sogar neu herausgebracht werden. Aber Mary macht ja eigentlich Babypause und hat kaum Zeit für Auftritte und so finden das Album und die Singleauskopplungen ‚Eplosion‘ und ‚Signale‘ bei weitem nicht die Beachtung die sie verdienen.

1992 endet Mary Roos‘ Babypause abrupt mit dem Longplayer ‚Alles was ich will‘, den Achim Gunske, Slizzy Bob und Mary über das junge Label DA Music verlegen lassen. Von einem Hitalbum zu sprechen wäre zwar übertrieben, aber die CD und insbesondere die Singleauskopplung ‚Alles was ich will bist du‘ ebnen Mary erstaunlich schnell den Weg zurück in die Medien.
Drei Jahre später bringt das Team Gunske, Bob und Roos einen weiteren Longplayer unter dem Namen ‚Mehr als ein Gefühl‘ heraus. Die Tete der Tracks – wie u. a. ‚Sonne in dein Herz ‚ – sind ausdrucksvoll, das Coverfoto gar kommt aus der Kamera Jim Raketes, für die Charts jedoch fehlt es den meisten Kompositionen an Potenzial.

Gegen Mitte der 90er-Jahre finden Mary Roos und Michael Reinecke wieder zusammen. Gemeinsam mit Aleander Menke bilden sie bis heute ein festes Team, das gelegentlich durch weitere Autoren ergänzt wird und 1996 mit einer Neuaufnahme jenes Titels an den Start geht, den Mary nach Reineckes Ansicht schon 1983 beim Grand Pri hätte singen sollen: ‚Rücksicht‘ .

Mit der Single ‚Rücksicht‘ und dem gleichnamigen Album (u. a. mit ‚Heute Nacht bin ich nicht allein‘ ) feiert Mary endlich ihr Comeback. Doch obwohl Mary Roos sich unvermittelt zahllosen Angeboten gegenüber sieht, nimmt sie sich Zeit, im Auftrag der Welthungerhilfe Projekte in Medellin zu betreuen.

1998 arbeitet das Trio Roos, Reinecke, Menke bereits an einem neuen Album, als Mary gegen Ende des Jahres die deutsche Version von Chers ‚Believe‘ angeboten wird. Frau Roos muss zu ihrem Glück beinahe gezwungen werden. Nach anfänglichem Zögern kann sie sich dann aber sehr dafür begeistern ‚Leider lieb ich dich immer noch‘ aufzunehmen. Mary macht ihre Sache so fabelhaft, dass sich die Single wochenlang in den Verkaufscharts hält und ihr schon kurz darauf das nächste Angebot ins Haus flattert. Aber Mary Roos will es hinsichtlich des Coverns lieber bei einer Kür belassen und verzichtet dankend. Das Album ‚Mittendrin‘ selbst ist ein komplettes Jahr in den Deutschen Schlager-Charts vertreten und belegt, ebenso wie die Singles ‚Leider lieb ich dich immer noch‘ und ‚Schau dich nicht um‘ , wochenlang die Spitzenposition.

Unvermuteter Weise entwickelt sich auch der Bonus-Track des ‚Mittendrin‘-Longplayers, der wenig zu dessen anderen Titeln passt und nur als Promo-Single veröffentlicht wird, zu einem Kult-Hit: Kaum ein TV-Auftritt im Jahr 2000, bei dem Mary nicht ‚Einmal um die Welt‘ anstimmen soll.
2001 veröffentlichen Michael Reinecke, Aleander Menke und Mary Roos den Longplayer ‚Roosige Zeiten‘. Das Album ist abwechslungsreich und hält ein paar ausgesprochen gelungene Titel bereit, wie z. B. ‚Königin der Nacht‘ , und mit den Singles ‚Männer wie du‘ und ‚Ich schweb in Liebesgefahr‘ platziert sich Mary in den Schlager-Airplaycharts. Trotzdem: Unter dem Druck der vorangegangenen Erfolge gerät die Produktion zu bemüht und verfehlt am Ende die an sie gestellten Erwartungen. Außerdem sperren sich in letzter Zeit einige Redakteure gegen Mary Roos‘ temporeichere Songs. Auf Marys Terminkalender hat diese Tatsache freilich keine Auswirkung: Allein im TV ist sie 2001 mehr als 50-mal vertreten und bricht damit in ihrem Metier wohl sämtliche Rekorde.

Das nächste Album gelingt beträchtlich besser: Mary kämpft stärker denn je für oder gegen einzelne Songs und setzt ihre Interessen am Ende gut durch. ‚Achterbahn‘ aus dem Jahr 2003 vereint Disco (‚Wir fahr’n Achterbahn‘ ) mit Swing (‚Shiny Stockings‘ ), Pop (‚In der Mitte meines Lebens‘ ), Schlager (‚Blaues Meer und warmer Wind‘ ) und Chanson (die Herman van Veen-Adaption ‚Ich hab ein zärtliches Gefühl‘ ). Die Single-Auskopplungen sind ungemein erfolgreich: ‚Wir fahr’n Achterbahn‘ erreicht Platz 1 der deutschen DJ-Charts, ‚Blaues Meer und warmer Wind‘ und ‚Alle Menschen werden Brüder‘ erreichen den ersten Platz der Schlager-Airplaycharts von Media Control. Mit ‚In der Mitte meines Lebens‘ kann Mary Roos sich sogar neben deutschsprachigen Kollegen wie avier Naidoo, Herbert Grönemeyer, Sabrina Setlur und den Ärzten an der Spitze der allgemeinen nationalen Airplaycharts behaupten. In den Schlager-Airplaycharts belegt der autobiografische Titel drei Wochen hintereinander den ersten Platz und auch in einigen belgischen Radio-Charts klettert er bis auf die Spitzenposition. Im Zuge ihrer zahlreichen Erfolge wird Mary Roos mit dem Schlagerpreis 2004 des NDR ausgezeichnet. Eine verbale Auszeichnung überreicht ihr kurz darauf Ael Bulthaupt, der Mary in einem Interview als ‚ein Urgestein der deutschen Musikszene‘ bezeichnet.

Auch bei den Aufnahmen für ihr aktuelles und inzwischen ausgesprochen erfolgreiches Album ‚Leben‘ zeigt Mary Roos Zähne und legt einen niveauvollen und von den Medien viel gelobten Longplayer vor, auf dem sie sich tetlich authentisch und musikalisch sicher durch die unterschiedlichsten Stilrichtungen bewegt:

In bewährter Tradition arbeitet sie im Team mit M. Reinecke und A. Menke zusammen, lässt einige ihrer Gedanken aber auch von Gast-Autoren wie Aleander Kemp (‚Lass mir noch etwas Zeit‘ ), ‚Fräulein‘ Franziska Menke (‚Samba‘ ) und Annett Louisans ‚Haus‘-Teter und Produzent Frank Ramond (u. a. ‚Zurück zu mir‘ ) in Worte fassen. Große Beachtung finden ihre Balladen ‚Zu schön um wahr zu sein‘ , ‚Für immer‘ und ‚Mein Sohn‘ . Insbesondere auf letztgenannte erhält Mary Roos unzählige positive Resonanzen. Mit weiteren Titeln präsentiert Mary sich z. B. im Motown-Stil (‚Wahnsinn – was alles geht‘ ) oder mit einer Brise Reggae (‚Sommer‘ ).

Zur großen Freude ihrer Fans nimmt sie ihre Fassung der Antonio Carlos Jobim-Bossa Nova ‚Águas de março‘, ‚Ein Hund, eine Katze und eine Maus‘ (Tet: Michael Kunze) – die 1973 unveröffentlicht blieb – mit dem Rundfunkorchester des SWR neu auf. Allen Freunden der französischen Sprache beschert Mary Roos mit ‚Attention fragile‘ eine Neufassung ihres 1999er-Popsongs ‚Vorsicht zerbrechlich‘.

Im Zuge des Erfolgs ist Marys Terminkalender 2005 mehr als übervoll. Das NDR-Fernsehen produziert ein 105-minütiges Mary Roos-Spezial und das TV-Publikum reagiert zahlreich und begeistert auf den humorvollen Schlagabtausch, den sich Mary Roos und Jörg Kachelmann in der MDR-Talk-Sendung ‚Kachelmanns Spätausgabe‘ liefern.

Nachdem Mary sich in der zweiten Jahreshälfte 2006 ein wenig rar gemacht hat, erscheint im Januar 2007 als Vorab-Auskopplung aus ihrem neuesten Album ‚Hautnah‘ die Single ‚Hautnah will ich leben‘ .

Das Album wird ein voller Erfolg. Mary nimmt mit dem Belgier Frank Michael den Titel ‚Weißt du noch‘ (JE N’OUBLIE PAS) auf und stellt mit ihm den Song unter anderem bei Carmen Nebel im ZDF vor. Zur Weihnachtstour mit Marianne und Michael erscheint eine Sonderedition von ‚Hautnah‘ mit den Bonustracks: ‚Weißt du noch‘, ‚Einmal um die Welt‘, ‚Sommer‘, ‚Wahnsinn‘ und ‚Mein Sohn‘.

Auch in 2008 trifft man Mary Roos auf zahlreichen nationalen Bühnen, bei Funk und Fernsehen und überall trifft die humorvolle Powerfrau auf eine große Fangemeinde. Den Spätsommer widmet sich Mary einer neuen Albumproduktion mit dem Team Reinecke/Menke.

Im März 2009 erscheint ‚Gezeiten‘ mit der Vorab-Auskoppelung ‚Nobody’s perfect“. Ein lang gehegter Wunsch erfüllt sich für Mary Roos im Oktober. Am 30.10.2009 erscheint das Album ‚Amour Toujours – The French Song Collection 1972-1975‘ mit 21 Titeln ihrer Musik-Karriere in Frankreich.

Und weiter…

Auf ihrem letzten Album „Gezeiten“ hat Mary Roos uns mitgenommen auf eine Reise an den Strand des Lebens mit Titeln wie „Weit, weit,weg“ oder „Wo sind all die Jahre nur geblieben“ und ans Meer, das sie liebt. Dort musste sie noch etwas verweilen, nachdenken über das was gewesen ist, aber vor allem über das, was jetzt ist. Eine Atempause. Diese intensive Reflektion, dieses ziellose Verweilen spiegelt der Titel ihres neuen Albums „Bis hierhin… und weiter“ wieder, denn für das „weiter“ hat sie sich Zeit genommen, Ideen reifen lassen, verschiedene Songs mit ganz unterschiedlichen Produzenten aufgenommen, laute und leise Töne gefunden, um nun -wieder den Blick nach vorn- ihren Weg weiter zu gehen. „Moment“ heisst ein ganz wunderbarer Song ihres neuen Albums, den hat sie sich gegönnt, ganz einfach so. Dafür entschädigt sie uns auf ihrer CD mit einer ganzen Wundertüte an neuen kostbaren Songs, die sie für uns gesammelt hat.

Die Alben „Hautnah“ (2007), „Gezeiten“ (2009) und „Bis hierher und weiter“ (2011) wurden wieder von Michael Reinecke produziert. An den Erfolg des Albums „Mittendrin“ konnten die Produktionen aber nicht heranreichen. Der in dieser Zeit entstandene Titel „Mein Sohn“ entwickelte sich in kürzester Zeit zum Radio- und Kulthit. Einer Neuauflage ihrer französischen Alben wurde 2009 unter dem Titel „Amour toujours“ veröffentlicht.

Trotzdem gehört M.R. zu den gefragtesten Sängerinnen in Deutschland, es vergeht kein Monat in dem sie nicht mindestens einmal im Fernsehen präsent ist. Besonders bei „Willkommen bei Carmen Nebel“ und den „Festen mit Florian Silbereisen“ ist sie häufiger Gast.

2013 steht ganz im Zeichen von M.R. Sie unterschrieb einen Vertrag mit Universalmusic. Im April erschien das von Roberto Di Gioia produzierte Album „Denk was du willst“, das mit der schlagerhaften M.R. nur noch sehr wenig zu tun hat. Intelligente und witzige Texte verbinden sich hervorragend mit Bossa-Nova-, swingigen- und Jazzrrythmen. In den Amazon-Jazz-Charts erreichte sie direkt nach der Veröffentlichung Platz 2. Im Mai finden erste Solo-Konzerte in Berlin, Köln und Hamburg statt.